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Stillen – weit mehr als nur Ernährung Stillen bedeutet viel mehr als die beste und gesündeste Nahrung für ein
Kind. Es ist auch Nahrung für die Seele. Stillen ermöglicht dem Säugling ganz
nebenbei, sein Bedürfnis nach Körperkontakt und Nähe zu befriedigen. Was
Mütter in vielen Naturvölkern bereits seit Jahrtausenden wissen, wurde auch
wissenschaftlich bestätigt: Für Kinder ist der häufige Körperkontakt Nahrung
für die Seele. Gestillte Kinder erhalten in den ersten sechs Monaten allein
schon durch das Stillen etwa 250-300 Std. mehr Zuwendung als nichtgestillte
Kinder. Auch das seelische Gleichgewicht der Mutter wird durch das Stillen
positiv beeinflusst, nämlich durch dieselben Hormone, die auch die Milch
bilden. Muttermilch – die Wissenschaft kennt nichts Besseres Muttermilch ist eine lebende Substanz mit arteigenen unnachahmlichen Stoffen. In einem Tropfen Muttermilch sind 4000 Zellen enthalten. Flaschennahrung wird in der Regel aus Kuhmilch hergestellt, die in aufwendigen industriellen Verfahren verändert werden muss. Diese Angleichung ist weitgehend gelungen. Die arteigenen Eiweiß-, Abwehr- und Hormonstoffe der Muttermilch können jedoch nicht künstlich hergestellt werden. Forschungen ergaben, dass Lysozyme ( bestimmte Abwehrstoffe in der
Muttermilch ) nach sechs Monaten Stillzeit bis ins zweite Lebensjahr ständig
zunehmen. Genau dies ist die Zeit, in der das Kind seinen Lebensraum stärker
erforscht und mit mehr Keimen in Berührung kommt. Das zeigt das Stillen auch
über das erste Lebensjahr hinaus sinnvoll ist. Muttermilch enthält alles, was ein Baby zu seiner Entwicklung braucht. Arteigene Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, sowie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sind in ausgewogenem Verhältnis vorhanden, perfekt an das Verdauungssystem des Kindes angepasst. Je nach Alter des Kindes ist Muttermilch unterschiedlich zusammengesetzt, entsprechend den Bedürfnissen des wachsenden Kindes. Eine Reihe wichtiger Schutzstoffe sind in der Muttermilch vorhanden, z. B. Immunglobuline, die körpereigenen Abwehrstoffe. Besonders in der ersten Milch, dem sogenannten Kolostrum, sind sie in hochkonzentrierter Form enthalten. Forschungen weisen darauf hin, dass bei der Mutter ein Kreislauf zwischen Bronchien und Brust und zwischen Darmtrakt und Brust existiert (lymphatische Leitungsbahnen). Dieser sorgt dafür, dass bei jedem Krankheitserreger, der die Mutter befällt, die Produktion spezifischer Antikörper stimuliert wird und diese sich dann in der Milch die der Säugling erhält wiederfinden. Gestillte Kinder bekommen seltener Durchfälle, Husten, Schnupfen, Mittelohrentzündungen, Harnwegsinfekte, Hautausschläge und Ekzeme. Ausschließliche Muttermilchernährung im ersten Halbjahr bedeutet einen wichtigen Schutz gegen Allergien. Muttermilch ist stets frisch, keimfrei und richtig temperiert, sie muss weder
pasteurisiert, noch adaptiert, vitaminisiert oder pulverisiert werden. Ernährung der Mutter während der Stillzeit
Die stillende Mutter sollte sich, wie auch in der Schwangerschaft,
abwechslungsreich und möglichst vollwertig ernähren. Ihr Kalorienbedarf ist um
200-300 Kalorien pro Tag erhöht, trotzdem ist es wichtiger auf die Qualität,
als auf die Menge der Lebensmittel zu achten. In der Regel haben stillende
Frauen einen größeren Appetit, so dass sie die benötigte Menge automatisch
aufnehmen. Den erhöhten Calciumbedarf in der Stillzeit ( die stillende Frau
benötigt etwa 50% mehr Calcium ) kann man durch Milchprodukte, sowie grünes
Gemüse, Endiviensalat, Rosenkohl, Grünkohl, Lachs, Eigelb, Mandeln und
Sesamsamen decken. Trinken Sie nach Durst! Die Flüssigkeitsmenge, die Sie jetzt benötigen liegt ungefähr bei 2,5l. Geeignet sind Mineralwasser, verdünnte Obst-oder Gemüsesäfte und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie Roibostee oder Milchbildungstee. Die Milchmenge lässt sich aber durch vermehrtes Trinken nicht steigern. Pfefferminz- und Salbeitee lassen die Milchmenge zurückgehen. Sorgen Sie nicht nur gut für ihr Kind, sondern auch für sich selbst! Nehmen Sie sich die Zeit regelmäßig zu essen. Zusätzlich könnten Sie sich z.B. an Ihrem Lieblingsplatz zum Stillen kleine Energiespender hinstellen z. B. Obst, Studentenfutter, Kräcker, und Wasser oder Tee, falls Sie doch einmal nicht zum Essen kommen. Die Zusammensetzung der Muttermilch wird nur wenig von der momentanen
Ernährung der Mutter beeinflusst. Nur, wenn die Mutter über einen langen
Zeitraum unterernährt ist, oder sehr einseitig isst, verringert sich die Menge
und die Qualität der Muttermilch. Achtet eine Frau nicht auf eine ausgewogene
Ernährung, so kann sie sich schnell kraftlos und ausgezehrt fühlen, denn die
Milchproduktion bedient sich der mütterlichen Reserven. Auf eine Diät zum Abnehmen sollten Sie verzichten, da ansonsten Schadstoffe, die in ihren Fettreserven lagern, in den Blutkreislauf und dann in die Muttermilch gelangen können. Beim Stillen schmelzen die Pfunde in der Regel wie von selbst. Wenn sie monatlich ca. 2 Kilo abnehmen ist das völlig unbedenklich. In der Stillzeit reicht jodhaltiges Salz allein nicht aus. Die Empfehlung
lautet einmal täglich 200µg Jod. Besprechen Sie sich am Besten mit Ihrem
Hausarzt oder Gynäkologen. Gibt es Speisen, die eine stillende Mutter meiden muss?
Nein, grundsätzlich müssen Sie auf nichts verzichten! Sie sollten sich wie gewohnt ernähren und auf Extreme verzichten. Was Ihnen bis dahin gut bekommen ist, verträgt in der Regel auch Ihr gestilltes Kind. Viele Neugeborene leiden unter Blähungen, daher ist es empfehlenswert, in den ersten Wochen stark blähende Speisen (Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch) zu meiden. Nach einer Weile kann man Stück für Stück ausprobieren, was das Baby verträgt. Besonders empfindliche Babys können auch auf andere Lebensmittel reagieren, z. B. auf kohlensäurehaltige Getränke, künstliche Süßstoffe, Farbstoffe, Stabilisatoren, frisches Steinobst, Vollkornprodukte (besonders zusammen mit Zucker), Eier, Schokolade, Weizen, Mais oder Nüsse. Einige Kinder bekommen Blähungen, wenn die Mutter Milch trinkt, denn Teile des Kuhmilcheiweißes gelangen in die Muttermilch. Sauermilchprodukte und Käse, werden in der Regel besser vertragen. Einige Nahrungsmittel verändern den Geschmack der Muttermilch, z. B. Knoblauch, einige Gewürze und Spargel. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Baby ein Nahrungsmittel nicht verträgt, verzichten Sie 14 Tage darauf. Geht es dem Kind dann besser, sollte dieses Nahrungsmittel vorläufig vom Speiseplan gestrichen werden. Die Reaktion auf ein Nahrungsmittel das vom Kind nicht vertagen wird zeigt sich unter Umständen nach einer halben, einer oder 6 Stunden. Babys Unbehagen kann 12 bis 24 Stunden anhalten. Die meisten Babys haben diese Phase nach etwa drei Monaten überwunden, wenige leiden noch mit einem halben Jahr darunter. Manche Babys bekommen einen wunden Po von bestimmten Fruchtsäuren, besonders von Zitrusfrüchten. Probieren Sie aus, was das Kind verträgt. Führen sie eine Obstsorte zur Zeit ein. Vermeiden Sie in der ersten Zeit Obstsalate und Mehrfruchtsäfte, da es so natürlich schwer fällt herauszufinden welche Frucht nicht vertragen wird.
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Copyright © 2001 Barbara Schniebel
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